Mitholz-Explosion: Erkundung in den Munitionskavernen

Nachfolgend der zusammenfassende Bericht an den Polizei-Bezirkschef vom Eindringen in die Munitionskammern des Lagers Mitholz – datiert vom 20. Februar 1948, gefunden im Bundesarchiv.

«Nachdem bereits am 26. Januar 1948 Begehungsversuche in die zerstörten Munitionskammern in Blausee-Mitholz unternommen wurden, welche in Bezug auf die warme Witterung und Föhnwetter und der dadurch verbundenen Steinschlaggefahr abgebrochen wurden, fand am Mittwoch, 18. Februar 1948, wiederum eine Begehung statt. Der Einstieg durch eine grosse Spalte zwischen den beiden Felswänden etwas westlich des ehemaligen Eingangsportals A erfolgte am gleichen Ort wie am 26. Januar 1948 und zwar durch dieselbe Öffnung.

Blick vom hintren Verbindungsstollen in die Kammer 1 (Richtung verschütteter Eingang) im explodierten Munitionslagers Mitholz. © Bundesarchiv

Um den ca. 25 Meter tiefen Abstieg besser zu ermöglichen, wurden zwei Feuerwehrleitern platziert. Am Fusse dieser Leitern befindet eine Felsbrücke aus eingestürzten Felsblöcken. Von dieser Felsbrücke aus wurde der senkrechte Abstieg auf die ungefähre Höhe der ehemaligen Munitionskammern wiederum durch zwei Feuerwehrleitern ermöglicht.

Hier befindet sich im Berginnern ein Felskessel von ca. 5 x 10 Metern. Über grosse Felsen führt rechts abfallend eine Öffnung direkt in die Munitionskammer 6 hinunter. Auf dem Kammerboden befindet sich eine Schuttmasse von schätzungsweise 1 bis 3 Metern. Diese setzt sich zusammen aus Blindgängern, Geschossteilen, angebrannten und verbrannten Holzstücken, Eisenteilen, Steinen und einer dicken Schicht Pulverrückstände (Staub). Stellenweise sind an den Seitenwänden noch Betonflächen wahrnehmbar, währenddem das Gewölbe im Zustande des Rohbaus angetroffen wird.

Mit dem Vordringen nach hinten ändert sich auch das Kammerbild. Die Dicke der Schuttmassen auf dem Kammerboden wird von grossen Wassertümpeln, welche im Scheine des Lichtes blutrot gefärbt sind, abgelöst. Die Färbung lässt sich durch die Rostbildung von darin liegenden Geschossen und Eisenteilen erklären. Ca. 120 Meter vom Kammereingang entfernt erkennt man am Gewölbe eine Abbruchstelle von losem Geschiebe (Steinen, Lehm, und Erde), was darauf schliessen lässt, dass der Fels hier keine kompakte Steinmasse bildet. Hinter dieser Abbruchstelle befindet sich ziemlich viel Wasser, welches einen grossen Teil des Kammerbodens überdeckt und verschiedene Tiefen aufweist.

Am Ende der Kammer präsentiert sich der [hintere] Verbindungsstollen, welcher die sechs Kammern im Berginnern miteinander verbindet. Dieser Stollen wurde durch die Explosion nicht beschädigt und ist gut erhalten. Im Lichte der Scheinwerfer sind die seitlichen Eingänge in die Kammern sichtbar. Es ist jedoch nicht möglich, diesen Verbindungsstollen zu begehen, weil derselbe einem unterirdischen See gleicht und die Wassertiefe ca.1 Meter beträgt. Eine Begehung wird nur mit Wasserstiefeln oder einem Boot möglich sein.

Eine zweite Begehung wird deshalb von Major Kästli auf den 19. Februar 1948 anberaumt, da die Wasserausrüstung zuerst herbeigeschafft werden muss. Die Begehung vom 19. Februar 1948 führte wiederum zu keinem endgültigen Resultat, weil auch die Wasserstiefel ihren Zweck nicht erfüllten und für die Wassertiefe nicht genügten. Trotzdem begaben sich aber die Herren Kästli, Hauptmann Eichenberger und Oberleutnant Roduner in ihren Wasserstiefeln durch den Verbindungsstollen bis zur Kammer 5.

Währenddem Kästli den Rückzug zu Kammer 6 antrat, passierten die beiden anderen die Kammer 5 und kamen beim Einfahrtsstollen wieder heraus. Alle drei waren bis zur Hüfte triefend nass. Eine totale Begehung war somit nur mit einem Boot möglich. Inzwischen wurde nun ein Gummiboot beschafft, mit welchem nun auch die übrigen Kammern, welche ebenfalls unter Wasser stehen sollen, abgesucht wurden. Laut Aussage von Herrn Eichenberger sind die Munitionsbestände aller Kammern explodiert.»