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Dass die alpine Strasse über den Sustenpass (2260 Meter über Meer) während des Zweiten Weltkriegs eigentlich für militärische Zwecken erbaut wurde, ist heute fast vergessen. Dabei ging es nicht nur um wichtige Verbindungen für den Nachschub im Gotthard-Raum, sondern auch um die Verteidigung des Passes gegen beide Seiten.

Lorenz Mani und Stephan Tschanz machen sich auf dem Weg, um Spuren der alten Verteidigungsanlagen zu finden. Obwohl die wenigen Bauten eher schlicht erscheinen, erzählen sie eine Geschichte, die wir nicht so schnell nicht vergessen werden.

Wir stolpern über kleinere Infanteriebunker und über Themen wie die Herstellung von Schiesspulver und werden mit der tragischen Explosion von 1992 beim Steingletscher konfrontiert. Der entsprechende Ermittlungsbericht des Brandermittlungs-Dezernats der Kantonspolizei Bern führt uns zu einem Waffensystem, mit dem wir uns noch nie auseinandergesetzt haben: Die Flugzeugabwehrraketen BL64 Bloodhound. Dabei stehen uns nicht nur wie meist Archivfilme aus dem BAR und dem DMA zur Verfügung, sondern auch das grosse Wissen aus dem Archiv von Festung Oberland.

Mal wieder ein paar spannende Dokumente gefunden: Das Versuchsprogramm, bei dem 1946 die «weichen Bunker» an der Stockhornkette entdeckt wurden.

Das Deutsche Atlantikwall-Archiv (DAWA) ist seit langem bekannt für immer wieder überraschende und vielfältige Heft zu Themen rund um Bunker. Aktuellstes Publikation ist der neue Museumführer in der 11. überarbeiteten und ausgeweiteten Auflage. «Der Begleiter durch die Militärmuseen in Deutschland ist technisch das Beste, was wir bislang anbieten.» So propagiert der Verlag sein jüngstes Werk.

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Am 22. und 23. September 2022 präsentiert Baselland Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Verein Fortifikation Hauenstein ein interessantes Zweitages-Angebot.

Geschichtsinteressierte erfahren auf einer Führung mit Christoph Rast vom Verein Fortifikation Hauenstein Wissenswertes über die Bauwerke und die Menschen, die die Anlagen damals bauten. Dabei bieten sich wunderbare Aussichten über das Baselbiet, von der Belchenflue reicht der Blick bis in die Alpen. Am zweiten Tag lässt sich das Baselbiet individuell entdecken oder es kann das Lager des Gedenkrittes zur Abschaffung der Kavallerie vor 50 Jahren besucht werden.

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Interlaken ist die Wiege von unterschiedlichen schweizerischen Traditionen. Hier wird der Unspunnenstein gestossen, die Tellspiele aufgeführt und die so genannte Harderportschete gefeiert. Dazu kommt eine 600 Jahre alte Tourismusgeschichte, die den Ort und das Bödeli zwischen Brienzer- und Thunersee sichtbar stark geprägt hat.
Es gibt aber noch eine andere Geschichte, die bemerkenswert ist und aus unserer Sicht neu entdeckt werden muss: Interlaken im Zweiten Weltkrieg. Hier wurde einer der wichtigen Reduit-Flugplätze erstellt – hier hatte General Henri Guisan jahrelang sein Hauptquartier – und hier wurde in den Berghängen ein verbunkertes Abwehrsystem gegen Luftlandetruppen des Dritten Reiches angelegt.
Das ist ein Fall für Bunker-Archäologen wie uns. Wir machen uns auf mit dem Ziel, die „andere Geschichte von Interlaken“ auszugraben, zu dokumentieren und zugänglich zu machen. Dabei lernen wir die IG Bödeliwerke kennen – eine Gruppe von Menschen, die dasselbe Ziel seit vielen Jahren verfolgt und uns Zugang zu Orten ermöglicht, die sonst für das normale Auge im Verborgenen bleiben würden.
Der Kessel des Generals oder Die andere Geschichte von Interlaken (30 Minuten).

Zentrale Elemente einer Sperre sind jeweils die Hindernisse. Diese sollten einen Gegner verlangsamen, damit die flankierenden (verbunkerten) Waffen die gepanzerten Fahrzeuge besser vernichten können.

Aber welche Art Hindernisse müssen es sein, die möglichst günstig und wirkungsvoll sind und teils auch als feldmässige Sperrelemente rasch erstellt werfen können? Die Armee hat im Laufe der Zeit viele Versuche dazu gemacht.

Eine Auswahl an Versuchsberichten und vielen Bildern dazu gibt es im neuen rund 200-seitigen Buch (Softcover) aus dem Verlag HS-Publikationen, das derzeit in der Schlussphase der Realisierung steht. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack.

Der Verein Schweizer Armeemuseum startet am 23. März wieder mit seinen alle zwei Monate stattfinden Vorträgen. Gleich als erstes steht ein Leckerbissen auf dem Programm: Die Entwicklung der modernsten Panzerhaubitze und des letzten Festungsgeschützes.

«Der Weg zur Panzerhaubitze M 109 L47 und zur BISON  L52 Festungskanone» ­– wer als der ehemalige Forschungsleiter der Eidgenössischen Konstruktionswerkstätte Thun (K+W) könnte zu diesem Thema besser Auskunft geben? Walter Lanz aus Hünibach wird in seinem Vortrag aufzeigen, wie die Schweizer Armee die Lücke schliessen wollte, die durch das Ausscheiden der Hunter-Jets ab Mitte der 1980er-Jahre im Erdkampf entstanden war. Ohne die Luftwaffe war der Kampf in der Tiefe eines gegnerischen Angriffs nicht mehr möglich, also wurden weitreichende Artilleriegeschütze – mobil und verbunkert – entwickelt.

Die Fachleute der Gruppe für Rüstungsdienste (GRD, heute armasuisse) machten sich daher Gedanken, wie man die vorhandene Flotte an M109-Panzerhaubitzen bezüglich Reichweite maximieren könnte. Fast zeitgleich gab die Armeeplanung den Startschuss für die Entwicklung eines neuen Festungsgeschützes grosser Reichweite. Walter Lanz beschreibt die interessante Entwicklungsphase dieser beiden Vorhaben, insbesondere die einheitliche Ballistik, welche ein logistisch besonders kostengünstiges Munitionskonzept mit Granaten des Kalibers 15,5 cm einschliesst.

Die Präsentation wird eingeleitet mit einer Betrachtung über den Beginn der modernen Zeit bei der Schweizer Artillerie.

Treffpunkt: Mittwoch, 23. März 2022, 18.45 Uhr, auf dem Parkplatz der ehemaligen Soldatenstube 3 Tannen (heute Corona-Testzentrum) an der Allmendstrasse in Thun (Einweisung). Anreise mit dem öffentlichen Verkehr ab Bahnhof Thun mit Buslinie 4 bis Haltestelle Kleine Allmend. Beginn jeweils 19 Uhr.

Eine Panzerhaubitze des Typs M109 mit einem langen Rohr. © zvg

Entwurf des letzten Festungsgeschützes der Schweizer Armee, der 15,5 cm Festungskanone 93 Bison © zvg

Der «Bote vom Untersee» hat 1998 eine spannende Mitteilung publiziert, laut der der im Aktivdienst verbaute Beton also durchaus seine Standfestigkeit bewiesen hat.

 

Im Mai 1940 befahl General Henri Guisan den Geniechefs, künftig die drei Armeetypen Normalstand, Schwerstand und Leichtstand zu bauen – jeweils mit lokalen Anpassungen (wenn nötig). Leider hat das Bundesarchiv zu diesem wichtigen Dokument die erwähnten Pläne nicht gleich mitgeliefert.

Während des Zweiten Weltkrieges befürchteten die Schweizer, dass die deutsche Wehrmacht den Talkessel des Sihlsees als Übergang in das Reduit benutzten könnten. Um dieses Unternehmen zu verhindern, baute die Armee im Gebiet von Einsiedeln ein komplexes Panzerabwehr-System auf.
Was ist heute davon noch übrig? Stephan Tschanz und Lorenz Mani wollten es wissen und machten sich auf. Die Resultate überraschten, denn es drängt sich eine Frage mit einem gewagter Vergleich auf: Könnte es sein, dass die Eidgenossen den Westwall der Nazis als Vorbild nahmen?
«Alles eine Frage der Dosis» – das neuste Werk des Duos Tschanz/Mani – gibt es hier.